Content Creation mit KI: Auch für Kanzleien ein lohnenswertes Handbuch?

Von Karin Schmollgruber

„Jetzt geht was", dachte ich Ende 2022, als KI – genauer gesagt ChatGPT – die Welt im Sturm eroberte. Denn ich brütete über dem Manuskript für das Handbuch Selbstmarketing für Anwältinnen und Anwälte und kämpfte mit einer Schreibblockade. Leider half mir ChatGPT damals überhaupt nicht, außer hanebüchenen Weisheiten wurde mir wenig geboten. Praktische Ratschläge waren Mangelware. Prompting galt als heiliger Gral und Prompt Engineering wurde gar als neuer Berufszweig beschworen. Hätte es doch damals schon das Buch „Content Creation mit KI" von Andreas Berens und Carsten Bolk gegeben. Aber ich schweife ab.

In meiner Funktion als Marketingberaterin für Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen habe ich dieses Buch auf Herz und Nieren geprüft. Mit folgender Frage ging ich an den Inhalt heran: Taugt es für die Erstellung von Inhalten für das Selbstmarketing von Rechtsanwälten und Rechtsanwältinnen? Um die Antwort vorwegzunehmen: Ja!

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Content Creation mit KI/©Rheinwerk Computing

Was hat das Buch zu bieten?

In den ersten drei Kapiteln des Buches geht es um KI als Inspirationsquelle, um die Erstellung sinnvoller Prompts - also Vorgaben für das KI-Tool - und um das Schreiben, Optimieren und Zusammenfassen von Texten. Sie erhalten darin praktische und verständliche Tipps zur Nutzung der verschiedenen Tools. Neben ChatGPT erfahren Sie alles Wissenswerte über das KI-Modell Gemini von Google (früher Bard) und die im Microsoft-Browser Edge eingebaute KI namens Copilot. Was die Texterstellung betrifft, so lernen Sie eine Reihe weiterer Werkzeuge für das Finetuning von Texten kennen, wie DeepL Write und Language Tool. Neu war mir das Korrektur-Tool von Wortliga und Duden-Mentor.

Sie erhalten zudem praktische Beispiel-Prompts für gute Gliederungen, Überschriften und Zwischenüberschriften, Aufzählungspunkte sowie FAQs. Die Autoren warnen aber auch, die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben. Sie raten dazu, KI-generierten Texten eine eigene Note zu geben, und in der eigenen „Expertenrolle“ zu bleiben. Zitat: „Wenn Ihnen ein Thema am Herzen liegt, dann greifen Sie selbst in die Tasten, und zeigen Sie Ihr Herzblut.“

Überzeugend ist auch der Ansatz der Autoren, suchmaschinenrelevante Artikel zu konzipieren. Das im Buch enthaltene Beispiel – ein Artikel über Rosenpflege – ist für die Rechtsbranche leider wenig relevant. Nach meiner eigenen leidvollen Erfahrung bietet die KI für SEO-Artikel zu hochkomplexen juristischen Themen nach wie vor nur begrenzte Hilfestellungen. Dennoch sollte man das Thema SEO und Kanzleiwebsite nie aus den Augen verlieren. Bitten Sie gegebenenfalls Ihre Marketingverantwortlichen um Unterstützung bei der Nutzung der KI für suchmaschinenoptimierte Texte.

Im vierten Kapitel geht es um das Generieren von Bildern mit KI. Eine Spielerei, der sich zumindest auf LinkedIn immer mehr Anwältinnen und Anwälte hingeben. Aus meiner Sicht ist das überflüssig, denn mit dem Online-Grafikprogramm Canva erhält man handfestere Grafiken für seine Social-Media-Aktivitäten. Aber ich schweife ab.

Wenn Sie nicht selbst eine Werbekampagne für Ihre Kanzlei entwerfen wollen, können Sie die folgenden Kapitel getrost überspringen. Deren Studium empfehle ich allerdings der Marketingabteilung Ihrer Kanzlei. Denn hier geht es um die Konzeption und Umsetzung komplexerer Marketingkampagnen. Merke: Vieles davon ist für eine Kanzlei schlicht nicht relevant.

Fazit

Die ersten drei Kapitel von „Content Creation mit KI" sind eine empfehlenswerte Lektüre für Anwältinnen und Anwälte, die KI im Selbstmarketing einsetzen wollen, um den Schreibprozess zu verkürzen und die Qualität der Texte zu verbessern. Allein dafür lohnt es sich, das Buch zu kaufen und auch zu lesen.

Nach der Lektüre der ersten 106 von insgesamt über 300 Seiten sind Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen um Lichtjahre voraus.

Daher mein Fazit: Kaufempfehlung!

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Alexander Berens und Carsten Bolk: „Content Creation mit KI“, Rheinwerk Computing, 2023, 314 Seiten, ISBN 978-3-8362-9651-9, 29,90 EUR.

Schmollgruber

Karin Schmollgruber

Karin Schmollgruber ist non-practicing lawyer gone marketing practitioner. Die Juristin berät seit 2013 Anwältinnen und Anwälte sowie Kanzleien in Sachen Marketing und Business Development - zunächst in international tätigen Großkanzleien, dann mit ihrer Agentur Legado Consulting. Sie ist die Initiatorin der LawChampions-Konferenz, die im Juni in wien Premiere feiert, und Autorin des bei MANZ erschienenen Ratgebers Selbstmarketing für Anwältinnen und Anwälte.

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